Die Meggenhorn liegt wieder in ihrem Heimathafen

Die sanierte stolze Meggenhorn

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Gmeindsposcht Meggen Mai 2016


Während sechs Jahren hat Schreiner Roger Schilter das Motorschiff Meggenhorn restauriert. Er hat die elegante Holzjacht wieder zum Bijou verzaubert, das sie vor 90 Jahren war.


Die «Meggenhorn» hat den Vierwaldstättersee geprägt wie fast kein anderes Boot. Das schlanke Passagierboot mit den edlen Lederbänken war seit mehreren Jahren aus dem Luzerner Seebecken verschwunden. Für jene, die sich gefragt haben, was mit dem Boot passiert ist – hier die Antwort.


Die beeindruckende Geschichte des stolzen Motorschiffs beginnt 1926

Im Jahr 1926 liess der Besitzer des Schlossguts Meggenhorn, Jakob Heinrich Frey-Baumann, die 12,00 Meter lange und 2,40 Meter breite Motorjacht bei der berühmten Bootswerft Faul in Horgen bauen. Gemäss Archivunterlagen der heute noch existierenden Werft kostete das Boot 48'000 Franken – damals ein stolzer Betrag! Gleichzeitig wurde im privaten Bootshafen von Schloss Meggenhorn, Sommersitz von Jakob Heinrich Frey-Baumann, ein zum Schiff passendes Bootshaus gebaut.


Die «Meggenhorn» wechselt den Besitzer

Das Schiff war bis 1962 im Besitz der Familie Frey. Nachdem die Eltern Frey 1959 bzw. 1960 verstarben, ging die «Meggenhorn» in den Besitz der Töchter Nelly und Gretel Frey über. Im Jahr 1962 wurde die MS Meggenhorn an Charles und Hermine Bucher verkauft. Standplatz blieb das Bootshaus beim Meggen-horn. Obwohl die «Meggenhorn» im Privatbesitz von Charles Bucher war, wurde sie immer wieder für öffentliche Fahrten und spezielle Gäste von Charles und Hermine Bucher genutzt. Dies bewog dann die Familie Bucher dazu, den Standplatz des Schiffs in ihr Bootshaus der Villa Stutz in St. Niklausen zu ver- legen, um die langen Anfahrtswege zu vermeiden. Überwintert wurde das Schiff weiterhin beim Meggenhorn. Später wurde das Schiff an die Seefahrten AG überschrieben und intensiv für Gesell-schaftsfahrten und kleinere Anlässe auf dem Vierwaldstättersee genutzt. Der Standplatz wechselte dann an den Steg der Charles Bucher AG im Seebecken von Luzern. Wie jedes Holzschiff beansprucht die MS Meggenhorn viel Unterhaltsaufwand und eine besonders intensive Pflege. Die Zeit nagte trotzdem an der Substanz des stolzen Bootes, sodass es 2007 aus dem Verkehr gezogen werden musste.


Die Rettung

Während drei Jahren stand das Schiff bei der Firma Hasler Bootsbau. Es wuchs die Einsicht, dass eine Totalsanierung der «Meggenhorn» unausweichlich wurde. Mittlerweile hatten auch die gesetzlichen Bestimmungen der Schifffahrt geändert, sodass auch Oldtimer wie die «Meggenhorn» die neuesten Bestimmungen betreffend Unsinkbarkeit, Abgasnormen etc. erfüllen mussten. In dieser Zeit wurde die «Meggenhorn» auch der Gemeinde Meggen zum Kauf angeboten, wobei die Aufwendungen für deren Sanierung auf ca. 400'000 Franken geschätzt wurden. Das Geschäft mit der Gemeinde Meggen kam jedoch nicht zustande.


Im Besitz der Familie behalten und wieder einwassern

Schliesslich ging die Meggenhorn in den Besitz von Roger Schilter, Enkel von Charles Bucher, über: Er wendete sich an seinen Cousin Pius Bucher, Inhaber der Seefahrten AG, und bewarb sich um die Übernahme des Schiffs. Nach einem Treffen im August 2008 konnte der Verkauf an den neuen Besitzer Roger Schilter besiegelt werden. Alle Parteien waren sich einig, dass es der Wunsch wäre, die «Meggenhorn» im Besitz der Familie zu behalten und auf dem Vierwaldstättersee wieder einzuwassern.


Die aufwendige Sanierung

Roger Schilter nahm die Herausforderung an, dem Schiff wieder zu neuem Glanz zu verhelfen. Seit 2010 lag die «Meggenhorn» in einer eigens dafür ausgebauten Scheune in Mettmenstetten (ZH) und wurde von Grund auf restauriert. Roger Schilter, selber Schreiner (aber nicht Bootsbauer), beschaffte sich bei der Bootswerft Faul die alten Baupläne und sanierte die «Meggenhorn» in minuziöser Handwerkskunst. Das Holzwerk war bis zum Kiel morsch und musste teilweise gar mit der Kettensäge freigelegt werden. Ein neuer Dieselmotor erfüllt nun die aktuellsten Normen. Die gesamte Elektrik wurde erneuert, und zahlreiche Holzplanken mussten ersetzt werden. Auffallend sind die Detailtreue und die Sorgfalt, mit der Roger Schilter die 90-jährige Motorjacht rekonstruierte. Er wendete rund 4000 Arbeitsstunden auf und investierte ca. 130'000 Franken in Werkzeuge und Materialien. Die «Meggenhorn» ist nun bereit für neue Einsätze.


Die neue Bestimmung der MS Meggenhorn

Sowohl für den Gemeinderat als auch für den Bootseigner Roger Schilter ist es ein Glücksfall, dass die «Meggenhorn» zurück in den Heimathafen und in das Bootshaus beim Meggenhorn gebracht werden kann. Dort wird sie für private Ausflüge des Bootseigners, aber auch für Publikumsfahrten zur Verfügung stehen. Geplant sind beispielsweise Rundfahrten im Zusammenhang mit Anlässen im Schloss Meggenhorn, aber auch andere Ausflüge, die nach speziellen Kundenwünschen gestaltet werden können. Die Meggenhorn bietet Platz für zwölf Gäste und ist somit keine Konkurrenz zu den grösseren Gesellschaftsbooten.


Der private Bootsbetrieb und das öffentliche Interesse

Der Gemeinderat ist überzeugt, dass das geplante Betriebskonzept der «Meggenhorn» eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Angebot auf dem Gelände des Schlossparks Meggenhorn bildet. Mit diesem Boot bietet sich die Gelegenheit, zusammen mit verschiedenen Anlässen auf dem Schloss eine passende, ergänzende Attraktion anzubieten. Die «Meggenhorn» passt an diesen historischen Ort und wird neu ein integrierender Bestandteil des Anwesens. Das Betriebsrisiko und alle Kosten (der Bootsplatz wird zu den gleichen Konditionen vermietet wie bei der vorherigen Mieterschaft) gehen zulasten des Bootsbesitzers. Dass die «Meggenhorn» von der Öffentlichkeit gebucht werden kann, betrachtet der Gemeinderat als grosse Chance und echte Bereicherung für die Gemeinde.