Die Meggenhorn in der NLZ

NLZ 8. Juni 2016

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Neue Luzerner Zeitung 8. Juni 2016


Während sechs Jahren hat Schreiner Roger Schilter das Motorschiff Meggenhorn restauriert. Er hat die elegante Holzjacht wieder zum Bijou verzaubert, das sie vor 90 Jahren war.

90-jährige Jacht ist wieder seetauglich

MEGGEN ⋅ Während sechs Jahren hat der Schreiner Roger Schilter das Motorschiff (MS) «Meggenhorn» restauriert – in Eigenregie.

Es ist wieder an seinem angestammten Platz: Das MS «Meggenhorn» ankert nach sechs Jahren Restauration seit letztem Monat wieder im Bootshaus unter dem Meggenhorn. Die Arbeit auf sich genommen hat Roger Schilter. Der Schreiner aus Bonstetten im Kanton Zürich hat seit 2010 rund 4500 Arbeitsstunden investiert, um das 2008 aus dem Verkehr gezogene Schiff wieder seetüchtig zu machen. Doch wie kommt ein Bonstetter Schreiner dazu, das MS «Meggenhorn» zu restaurieren? «Meine Wurzeln liegen in Luzern. Charles und Hermine Bucher, meine Grosseltern, kauften das Schiff in den 1960er-Jahren.»

Schiff soll in Familienbesitz bleiben

Das MS «Meggenhorn» wurde 1926 vom damaligen Besitzer des Schlosses Meggenhorn, Jakob-Heinrich Frey, als Familienschiff bei der Werft Johann Faul in Auftrag gegeben. Nach der Fertigstellung ankerte es auch beim Meggenhorn. Später wechselte es zur Villa Stutz in St. Niklausen und zum Steg der Charles Bucher AG in Luzern.

Als Oldtimer-Fan Schilter hörte, dass sein Cousin das Schiff verkaufen möchte, hat er sich gemeldet. «Wir waren uns einig, dass wir wollten, dass das Schiff in der Familie bleibt.» Als Schreiner mit Bootsbauerblut in den Adern war Schilter durchaus klar, was er sich da einbrockte. Ihm schwebte aber vor, dass das Schiff wieder «nach Hause» in sein ursprüngliches Daheim am Meggenhorn zurückkehren sollte. «Dazu musste ich warten, bis der Platz wieder frei wurde. Die Gemeinde ist mir da entgegengekommen», freut sich der Schreiner. In die Restauration investierte er viel Herzblut. «Ich habe das Schiff total zerlegt und seine Geschichte studiert.» Als Schreiner ist er Experte, wenn es um die Arbeit mit Holz geht. «Ausserdem hab ich schon mit 17 Jahren Schiffsmodelle gebaut und bereits ein anderes Schiff restauriert. Und vier meiner Onkel sind Bootsbauer.» Neben seiner Arbeit hat Schilter etwa 150 000 Franken in das Schiff gesteckt und bietet es, gemeinsam mit dem Schloss Meggenhorn, für Fahrten mit bis zu zwölf Personen an. «So eine Arbeit macht man, weil man Idealist ist», betont er.

Die Freude am Handwerk, am Material und an den Details spiegelt sich im glänzenden Äusseren der Jacht wider. Fast traut man sich nicht, sich auf die Stoffkissen oder das Lederpolster zu setzen. Elegant gleitet das Schiff durch den See.

Die grösste Herausforderung bei der Restauration habe nicht etwa im Handwerklichen gelegen. «Die schwierigste Aufgabe war: Wie gelingt es, ein so altes Schiff ohne äusserliche Veränderungen den modernen Vorschriften anzupassen?» Von Bootsbauern habe er gehört, er habe alles richtig gemacht, sagt Schilter stolz. Nun hat er zwei Standbeine: seine Schreinerei und ab 1. Juli die Bootsvermietung. «Ich habe auch noch zwei Kapitäne, die ich einplanen kann.» Noch mehr Schiffe zu restaurieren, steht aber nicht zuoberst auf Schilters Prioritätenliste. «Ich finde, es gibt sehr wenig schöne Oldtimer. Das Schiff muss mir gefallen. Schöner als das MS ‹Meggenhorn› geht es fast nicht. Es hat tolle Proportionen», schwärmt der dreifache Vater und zweifache Grossvater.

Natalie Ehrenzweig